Aus der Presse: SFG Olpe jubelt: Regionalliga, wir kommen!

04 März 2024

Es gibt Tage, an denen es zwei Sieger gibt. Und wenn dann noch ein Trainer zum Besten gibt, dass er den Klassenerhalt nicht geschafft hat, dann bedarf das doch etwas der Aufklärung – schließlich haben die Volleyballerinnen des VC SFG Olpe als souveräner Spitzenreiter dem abstiegsgefährdeten Hildener AT in eigener Halle mit 2:3 (23:25,25:9,21:25,25:14,13:15) ein großzügiges Punktegeschenk zukommen lassen. So war es schon skurril, was sich da vor einer großen Fankulisse abspielte. Und als dann auch noch die Konfetti-Kanone zum Einsatz kam, war endgültig klar: der VC SFG Olpe ist Meister der Oberliga und steigt in die Regionalliga auf.

Zwei überaus glückliche Mannschaften machten aus ihrer Freude in unterschiedlicher Weise kein Hehl. Tanzten auf der einen Seite die Gäste aus dem Rheinland, konnten sie doch zwei durchaus überraschende Punkte aus dem Sauerland entführen, so formierten sich die Mädels von SFG-Trainer Michael Jürgens auf der anderen Seite händchenhaltend zur La-Ola-Ovation und dankten ihren euphorisierten Fans auf beiden Seiten des Feldes für ihre tolle Unterstützung während der gesamten Saison – ja, sie hatten es tatsächlich geschafft, die Oberliga nach sechs Jahren Zugehörigkeit zu verlassen und in die Regionalliga aufzusteigen. Sie haben die Klasse verlassen, aber nach oben.

Kurz vor 19 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor der SFG-Kasse. „Das Spiel war jeden Cent wert“, wird WP-Sportchef Lothar Linke später anerkennend sagen. Erwartungsvolle Mienen auf den Gesichtern der Fans, darunter auch viele Kinder, die es früh zum Volleyball gezogen hat. Erwartungsvoll, auch wenn die Entscheidung über den Titel schon einige Stunden zuvor die Runde machte – was aber den wenigstens unter den Zuschauern bekannt war. Doch es sprach sich schnell herum. Der einzige Konkurrent hatte verloren, SFG war „kampflos“ Meister der Oberliga. Aber was heißt schon „kampflos“? Es war eine Saison mit vielen Ups, aber auch manchen Downs.

„Die Mädels wussten vorher Bescheid“, so Michael Jürgens, „die sehen doch im Netz, wie die Konkurrenz gespielt hat. So konnten wir eigentlich ganz locker in die Partie gehen.“ Zu locker? Schließlich stand Hilden unter Druck – und holte sich den ersten Satz mit 25:23. Beim ersten Seitenwechsel erste Kommentare bei den Fans. Allon Sander, Co-Trainer der Bezirksliga: „Ja, die gewinnen noch, aber es wird eng.“ Und Claudia Dietzmann, die Vorsitzende: „Das schaffen wir noch, die Mädels wollen die Spannung hochhalten.“ Optimismus allenthalben.

Es war eine Stimmung, die begeisterte. Thomas Bär (Stadt Olpe): „Das ist eine super Atmosphäre, Ich war schon manchmal da.“ Ob er sich als Glücksbringer fühle? „Wenn ich das wüsste.“ Willi Werner, ein regelmäßiger Fan: „Olpe gewinnt 3:2, die haben die letzten Heimspiele immer gewonnen. Schade, dass jetzt ein halbes Jahr Pause kommt.“ Thomas Feldmann: „Das ist mein ersten Damenspiel und bin mit meiner Tochter Anna hier, die spielt bei der U13. Ich bin begeistert, das ist ein tolles Niveau.“

Natürlich waren auch Vertreter der Sponsoren anwesend. Markus Mühlhaus (Ergo-Versicherung): „Ich war mehrmals hier, aber heute ist das eine ganz besondere Stimmung.“ Und das versetzte auch Jan Müller, früher aktiver Volleyballer beim TV Olpe: „Das ist das erste Damenspiel, das ich seit langem gesehen habe. Die spielen echt geil, ein tolles Niveau, ich bin begeistert, auch von dem Nachwuchs.“ Und Stefan Hesse vom Hauptsponsor Mennekes, ebenfalls aktiv beim TV Olpe und in der Oberliga in Aachen: „Was hier in der Region an Volleyball geboten wird, ist unglaublich. Wir unterstützen das gerne.“

Joachim Basch, Vater der Außenangreiferin Mia Basch, sah insgesamt, über die Saison verteilt, eine souveräne und abgeklärte Leistung. „Auffallend ist vor allem die gute Harmonie zwischen Jung und Alt.“ Und gerade darauf weist auch Michael Jürgens zu Recht hin: „Wir haben keine Spielerinnen von auswärts, der gesamte Nachwuchs ist Eigengewächs, und darauf können wir stolz sein.“

Victoria Popov (Jahrgang 2006) trainiert bereits seit vier Jahren bei der ersten Mannschaft mit und ist auf der Zuspielposition neben Antonia Häner nicht mehr wegzudenken. Mit der derzeit verletzten Annika Seidel hat SFG auf dieser Position kein Problem. Mia Basch (2007) ist seit zwei Jahren im Kader: „Ich hoffte auf Top-Fünf, aber dass wir jetzt Erster sind? Einfach geil.“ Anna Lena Beul (2008) hat sich mit ihrer Vielseitigkeit und Angriffswucht immer stärker in den Vordergrund gespielt: „Dass ich jetzt zum engen Kader gehöre, freut mich natürlich.“ Das Nesthäkchen der Youngster ist Mira Naber: „Ich habe mit wenigen Einsätzen gerechnet, dass es heute so gelaufen, ist einfach super.“

Von den Youngstern zu den Seniorinnen – Sabrina Küppers und Caro Hermsen. Sabrina Küppers‘ erste „richtige“ Oberligasaison hat die 40-Jährige richtig munter gemacht, ist jederzeit einsatzbereit und eine Art ruhender Pol. „Ich kann mich auf sie voll und ganz verlassen“, so Michael Jürgens. Und das gilt natürlich auch für Carolin Hermsen, sie so etwas wie ihren zweiten – oder dritten? – Frühling erlebt.

„Ich bin damals in der Dritten Liga als Zuspielerin eingesprungen“, erzählt sie, „weil keine gelernte Zuspielerin auf dieser Position verfügbar war.“ Jetzt ist die „Vize-Seniorin“ als Mittelangreiferin im Team eine feste Größe und fühlt sich in der Meistermannschaft wohl: „Das war schon seltsam, eine neue zusammengewürfelte Truppe, aber das hat funktioniert. Wir haben zusammengefunden.“ Und dann blickt sie noch einmal auf die Hinrunde zurück: „Das war eine schöne Momentaufnahme, als wir oben standen. Da haben wir Blut geleckt.“ Die Frage, ob sie sich denn mit 37 Jahren nicht etwas zu alt für die Regionalliga fühle, beantwortet sie ganz kurz: „Ich bin auch im nächsten Jahr dabei.“ Ein Jahr Dritte Liga, aber noch nie Regionalliga – es gibt immer wieder Neuland zu entdecken.

 

 

Zwischen Oldies und Youngster gelten als absolute Leistungsträgerinnen Kristin Bürger, Mannschaftskapitänin Lea Uebach und Libera Claudia Müller. Ergänzt wurde der Kader im Laufe der Saison von Anna Sondermann, Eva van Vianen (beide als Libera). Meister SFG – auch ein Meister aus Jung und Alt.

Kader: Lea Uebach, Victoria Popov, Mia Basch, Antonia Häner, Kristin Bürger, Carolin Hermsen, Eva van Vianen, Mira Naber, Sabrina Küppers, Anna Lena Beul, Annika Seidel, Claudia Müller, Anna Sondermann, Emma Basch.