Situation vor dem Start bei SFG 1

26 August 2015

Darüber sind sich eigentlich alle einig: Es wird eine schwierige Saison. Es war der erste Abstieg in der Vereinsgeschichte des VC SFG Olpe, den eine „Erste Mannschaft“ hinnehmen musste. Der personelle Aderlass der beiden letzten Jahre hat seine Spuren hinterlassen, und dies setzt sich mit dem Rückzug von Michelle Langer und Caro Clemens nun fort. Trainer Michael Jürgens muss auf den eigenen Nachwuchs setzen. 7,5 Spielerinnen des alten Kaders sind ihm noch geblieben (Tina Kubina ist nur eingeschränkt einsetzbar) – und das ist für eine lange Saison reichlich knapp bemessen

Und schon kommt die erste Hiobsbotschaft. Kristin Bürger, die auf der Außenposition eine feste Größe im Konzept des SFG-Trainers ist, fällt zunächst aus. „Vielleicht sogar eine längere Zeit“, so Jürgens. Das hört sich nicht gut an.

Über mangelnde Trainingsbeteiligung braucht sich Jürgens aber nicht zu beklagen. Schließlich hat er regelmäßig neben seinem festen Stamm sechs bis acht talentierte Nachwuchsspielerinnen beim Training, und die knien sich gehörig rein. „Natürlich ist uns klar, dass wir anfangs kaum spielen werden. Aber vielleicht gibt es ja gelegentlich doch mal Einsätze, auf jeden Fall sind wir hoch motiviert“, gewährt die 16-jährige Daria Knorn einen Einblick in die Gefühlswelt der Youngster. Zudem will Jürgens an den beiden ersten Spieltagen ausschließlich auf den Rest seines letztjährigen Kaders zurückgreifen. „Ich möchte der zweiten und dritten Mannschaft keine Spielerin wegnehmen.“ (siehe dazu Kasten).

„Der direkte Wiederaufstieg ist zweifelsohne zu hoch gegriffen“, gibt sich Mannschaftsführerin Sarah Wolfschläger keinen Illusionen hin, „aber das Potenzial, oben mitzuspielen, ist da.“ Dieser Zweckoptimismus beruht auf dem letztjährigen Pokalhalbfinale, als Regionalligist Telstar Bochum glatt bezwungen wurde. „Auf jeden Fall ist die neue Saison eine echte Herausforderung“, freut sich die erfahrene 21-Jährige auf den Saisonstart Anfang September.

Einen ersten Vorgeschmack bekamen die SFG-Damen bei einem Turnier in Münster. Auch wenn unter dem Strich wenig Zählbares heraussprang, ist der SFG-Coach guter Hoffnung: „Wir müssen jetzt zusammenfinden, die Abstimmung ist noch schwierig. Die anderen Mannschaften sind zwar schon weiter, aber das Turnier war kein Dämpfer, auch wenn noch viel Arbeit auf uns wartet.“ Dreh- und Angelpunkt wird die Zuspielposition werden. Routinier Tina Kubina muss als junge Mutter vor allem bei den Auswärtsspielen oft passen. Und für Katrin Springmann ist der Sprung aus der Landesliga in die drei Klassen höhere Regionalliga eine anspruchsvolle Aufgabe.

War beim Turnier in Münster noch viel Sand im Getriebe, so war jetzt in Essen schon viel Licht zu sehen. „Wir haben in vier Spielen gegen Dritt- und Regionalligisten gut ausgesehen“, freute sich Jürgens über die respektablen Ergebnisse. Zwei Erfolge gegen Ligakonkurrenten stehen zwei Niederlagen gegen Drittligisten gegenüber. Das kann sich sehen lassen, zumal nicht nur Kubina und Springmann fehlten, sondern auch die verletzte Kristin Bürger und Libera Anna Harnischmacher. Alex Kauschke, die derzeit fest in der Ersten mittrainiert, jedoch zunächst bei SFG 2 spielt, übernahm die verantwortungsvolle Position im Zuspiel und Jürgens war sehr zufrieden: „Das hat Alex, wie auch die anderen Youngster, richtig gut gemacht.“

Neben diesen kleinen sportlichen Erfolgten stellt Jürgens derzeit eine sehr positive und homogene Grundstimmung im Team fest. Dazu dürfte ein gemeinsamer Trip des Stammkaders beigetragen haben, der sich ein ungewöhnliches Ziel ausgesucht hatte: Danzig. Also kein Ballermann, auch wenn der Spaß nicht zu kurz gekommen ist. Mit Nicole Laskowski und Anja Kempny, deren Eltern aus Kattowitz bzw. Stettin nach der Wendezeit aus Polen ausgewandert sind, hatte die Truppe zwei hervorragende Dolmetscherinnen dabei. Der Badeort Sopot und Sightseeing Danzig waren die Programmpunkte am Tag. „Am Abend wurde natürlich viel gelacht. War der Zusammenhalt vorher schon gut, so hat sich dies noch mehr gefestigt“, erklärten die beiden deutschen „Polinnen“ unisono und wollten ansonsten nicht weiter ins Detail gehen.

„Wir wollen unseren Fans auf jeden Fall wieder hochklassigen Volleyball anbieten, und das kann man auch in der Regionalliga“, erklärt Sarah Wolfschläger selbstbewusst. Der Mix aus Erfahrung und ambitionierter Jugend soll zumindest für den Klassenerhalt sorgen. „Selbst eine sehr schwierige oder wenig erfolgreiche Saison wäre für uns aber kein Beinbruch“, nimmt Jürgens den Druck, „ich bin mir sicher, dass die jungen Spielerinnen spätestens nächstes Jahr den Anschluss gefunden haben werden – und dann greifen wir wieder an!“

Der Stammkader: Kristin Bürger (sehr fraglich), Julia Feldmann, Anna Harnischmacher, Anja Kempny, Tina Kubina, Nicole Laskowski, Laura Schriewer, Kathrin Springmann, Sarah Wolfschläger. Die Nachwuchstruppe, die aber zunächst in den „tieferen“ Mannschaften gemeldet wird: Anna Sondermann, Alex Kauschke, Anna-Lena Knoll, Lea Kühr, Daria Knorn, Veronica Gossen und Clara Wübbecke

Kasten

Info zu Spielordnung

Jugendspielerinnen können jederzeit und beliebig oft in einer höheren Mannschaft desselben Vereins eingesetzt werden. Spielerinnen, die an den beiden ersten Spieltagen für eine Mannschaft gemeldet werden, können nicht in einer tieferen Mannschaft des Vereins spielen.